Kolumne 12 (Dezember 12)

Die lebensuntaugliche Ratgebergesellschaft

Angesicht der vielen Hundert Ratgeberbücher, die  zur Buchmesse im Oktober auf den Markt geworfen und nun im Dezember unter dem Weihnachtsbaum auf den Gabentisch gebracht werden drängt sich mir der Gedanke auf, dass diese unsere Gesellschaft ohne Ratgeber, Psychocouch, Medikamente und ominöse "Find-Yourself-Workshops" nicht mehr überlebensfähig ist.

So konservativ ich auch klingen mag, so glaube ich doch fest daran, dass es durchaus hilf- und segensreich ist, Kindern (und Haustieren und nicht nur diesen beiden Gruppen allein) Grenzen aufzuzeigen und sie mit Regelwerken zu vergesellschaften. Wer niemals Grenzen im alltäglichen Umgang mit anderen erfährt, dies möglichst in früher Jugend, der rauscht durch sein Leben und wird unweigerlich anecken. Ich möchte nicht falsch verstanden werden - ich will auf gar keinen Fall unsere Welt mit Duckmäusern und Ja-Sagern bevölkern - doch ein freundlicher Umgangston, Rücksichtnahme, Empathie erleichtern das Leben auf Lebenszeit.

Wenn ein Auszubildender heute angenehm bei seinem Chef auffällt, weil er nicht permanent das Handy am Ohr oder zwischen den Fingern hat, wenn er vernehmbar und freundlich die Kollegen grüßt, wenn er den Raum betritt und sich auch Kunden gegenüber freundlich verhält, wenn er nicht auf die Sekunde genau zum Feierabend "sein Bündel schnürt" und auch mal 5 Minuten vor Arbeitsbeginn am Arbeitsplatz erscheint -wenn das alles heutzutage außergewöhnlich und bemerkenswert ist - ja, was sagt das über die jungen Menschen aus?!
Was sagt es über deren Elternhaus aus?!

Ein wenig fühle ich mich nun fast wie seinerzeit sich wohl mein Großvater fühlte, wenn er die Tugenden seiner Jugend lobend anführte (er sah auch vieles aus seiner Kindheit kritisch).

Zum einen wünsche ich mir mehr freundliches Miteinander und zum anderen wünsche ich mir mehr Realitätsbezogenheit und Verständnis dafür wie unsere Welt funktioniert.

Als Hundetrainerin stehe ich zunehmend vor dem Phänomen, dass die Hundebesitzer meinen, ihren Hund antiautoritär erziehen zu können. Der erste, der mit seinem Hund zu mir kommt, und mir eine fruchtbare Diskussion mit seinem Vierbeiner vorführen kann, beispielsweise darüber, dass es nicht gesund für einen Welpen ist, die Haustür zu zernagen, die Splitter zu fressen und überhaupt das Holz der Tür irgendwie zu verändern, der seinen Hund also allein durch Diskussionen, freundliches Gutschiguuh und ein paar Leckerchen zur Einsicht bringt, wird mich eines besseren belehren.
Es überrascht mich ungemein, wenn jemand meint, seinen selbstbewussten Ridgeback mit Klicker und Leckerchen grundsätzlich und nachhaltig so umzukonditionieren, dass der nicht mehr knurrend in Frauchens Bett liegt und Herrchen den Zustieg verweigert und auch nicht länger, wenn er freiläuft, andere Hunde angreift. Ganz zu schweigen von menschaggressiven Hunden, die, wenn sie es denn könnten, sich über Psychocouch und softes Training totlachen würden. Sie wissen wie ich es meine, oder?

Unsere Welt ist ein Wechselspiel, sie ist nicht nur feindlich und sie ist nicht nur freundlich. Polarität ist das Stichwort.
Wir alle müssen in der Lage sein zwischen beiden Polen zu schwingen und uns auf den Wechsel einzustellen.
Das beginnt in der Kindheit/Welpenzeit. Und da bedarf es eben manchmal strikt einzuhaltender Regeln und Vorgaben.

Kürzlich besuchte mich eine Hundezüchterin (Chows), die seit 40 Jahren erfolgreich im Geschäft ist und sich nicht vorstellen konnte, dass man wie ich mit so vielen Hunden unterschiedlicher Rassen, Altersstufen und Mentalitäten im Haus gemeinschaftlich zusammenleben kann. Zauberwerk? Nein: Hier herrscht ein klares Regelwerk und das lässt uns alle freundschaftlich miteinander leben und meistens freundlich miteinander umgehen. Was kann man mehr wollen?!

Copyright: Antje de la Porte

Kolumne 11 (Aug. 2011)

Hunde stinken

Wenn ich diesen Satz höre, sträubt sich mein Nackenfell. Als Hundefrau und Hundeliebhaberin sträubt es sich schon einmal aus Prinzip und ich widerspreche vehement. Fakt ist, ganz klar, dass man keineswegs allgemein behaupten kann, dass Hunde stinken. Hunde können stinken - müssen sie aber nicht.

Da gibt es schon einmal grundsätzliche Unterschiede, die ursächlich in der Fellbeschaffenheit und der Felllänge begründet liegen. Und fraglos darin, wie intensiv dieses von Herrchen und Frauchen gepflegt wird. Mehrmals wöchentlich bürsten, kämmen, Unterwolle rausbürsten, Pfoten freischneiden, Ohrenkontrolle und gegebenenfalls reinigen, Analdrüsen prüfen, das Fell auf Zecken und andere Lästlinge absuchen - das alles gehört für mich zum Pflichtprogramm. Wenn die Unterwolle ausgekämmt ist, das Fell belüftet wird, durch regelmäßiges Bürsten die körpereigene Talgproduktion angeregt und das Produkt zum Schutz im Fell verteilt wird, dann hat man schon das meiste für die Hundehygiene und gegen den "Hundegeruch" unternommen.
Nun kann es durchaus notwendig sein, dem Vierbeiner ein Bad zu gönnen. Nicht nur im nächsten Bach oder See, sondern mal eins mit entsprechenden Pflegeprodukten und mit warmem Wasser. Danach wird der Hund ordentlich abgetrocknet oder kommt sogar in den Genuss des Trockenbürstens unter Zuhilfenahme eines Föns. Hinterher umweht ihn ein frischer Duft, der unseren menschlichen Nasen gefällt und den Vierbeiner nicht quält. Hält der Hundebesitzer dieses Pflegeprogramm konsequent durch und Bello mufft trotzdem, ist es an der Zeit, das Futter zu überprüfen. Wir wissen ja von uns selbst, dass wir bei unseren Platznachbarn im Kino oder der U-Bahn auch riechen, wenn die gestern Knoblauch gegessen haben oder beispielsweise Fans indischer Gewürze sind.
Also: Was frisst denn der Hund?`Ist es ein hochwertiges Futter, das von ihm leicht verstoffwechselt wird oder gibt es das Trockenfutter, das beim Discounter gerade im Angebot war? Wie heißt es doch gleich...das ist in so 'ner rotblauen Tüte oder ist die grün?
Merke: Futter überprüfen, Verdauung überprüfen. Hängt ja schließlich zusammen. Nur wenn oben Gutes eingefüllt wird, kann die Absatzqualität stimmen. Ist ja sowas von klar, oder?

Es müffelt immer noch in der Wohnung? (und Sie sind nicht selbst die Ursache?) Na, dann sollten wir uns mal die Hundedecke und das Körbchen vornehmen. Spätestens jetzt suchen Sie nach dem kleinen Stofffitzelchen, auf dem sich die Waschangaben befinden, bevor es ein böses Erwachen gibt, wenn der weiche Hundekorb aus der Waschmaschine kommt. Rasch kann so ein Hundemöbel auf Chihuahuagröße schrumpfen, wenn es zu heiß gewaschen wird.

Nun können wir noch einen Blick auf den strapazierten Fußboden werfen. Wenn Sie noch immer Teppichboden und flauschige Wollteppiche Ihr Eigen nennen, dann haben Sie selbst Schuld. Ich empfehle ganz klar Fliesen und zur Pflege Produkte, die Mikroorganismen als Mitarbeiter beschäftigen, die Gerüche produzierende Bakterien "auffressen".

Und wenn Sie nun noch Freunde besuchen, die meinen, dass es in Ihrer Wohnung nach Hund riecht, dann machen Sie denen mal klar, dass Sie, gemeinsam mit Ihrem geliebten Vierbeiner, Arbeitsplätze schaffen. Nein. Ich meine jetzt nicht Ihre Haushaltsperle, die bei Ihnen einmal wöchentlich die Räume pflegt, sondern die Arbeiter (wo auch immer die ihren Job machen), die spezielle Staubsauger für Tierbesitzer entwickeln, zusammenschrauben oder spezielle feuchte Einmaltücher zur Pfotenpflege produzieren. Was es da alles gibt... Haben Sie sich darüber schon einmal Gedanken gemacht? Zählen Sie das alles Ihren Freunden auf. Hair-Up-Sauger, Zusatz-Tierhaarpolsterdüsen, Tierhaar-Handschuhe, Fusselrollen, Hundehandtücher, Tierhaar-Bodendüsen, Fresh-Up-Air-Dingsbums und weiß-der-Geier-was-nicht-noch-alles... Hunde stellen einen riesigen Wachstumsmarkt dar, hinter dem sich die Umsatzzahlen der Landwirtschaft in Deutschland so langsam verstecken lassen.
Und da soll mir nun bloß keiner kommen und sagen, dass Hunde stinken. Dem halte ich mal ganz schnell entgegen, was ich vom Geruch der Schweinemastanlagen halte, die mich umzingeln. Landwirte arbeiten zumeist nur wirtschaftlich erfolgreich, wenn sie entsprechende Subventionen erhalten. (Ein an der Wurzel krankes Denken, für das man nicht die Landwirte verantwortlich machen kann - aber das ist eine ganz andere Wahrheit).

Wir Hundehalter pampern mit unseren Lieblingen die Wirtschaft!
Und, wie wir alten Lateiner sagen: "pecunia non olet". "Geld stinkt nicht". Nie.


Copyright: Antje de la Porte

Ab und zu ist auch mal Zeit für ein Bad mit Shampoo und Spülung und dem vollen Programm...

Kolumne Nummer 10 (2009)

Alle Züchter sind Millionäre

Auf dieses Vorurteil, denn nur so kann ich es nennen, stoße ich in letzter Zeit öfter. Und es ist ein weit verbreitetes: Hundezucht macht reich.

Nur meine Tierärztin und Freundin Sonja sagt: „Ich habe in fünfundzwanzig Jahren noch keinen Züchter kennen gelernt, der damit reich geworden ist."

Da ich das auch gar nicht anstrebe, sondern lediglich den Wunsch hege, für die Rasse Chow-Chow durch die geplante Zucht etwas Positives zu bewirken, sie vielleicht ein wenig bekannter zu machen und etwas gegen die noch immer herrschenden, lang überholten Vorurteile gegenüber der Rasse Chow-Chow zu tun, schreckte mich das erst einmal nicht ab. Genau genommen lasse ich mich noch immer nicht schrecken, obwohl ich zwischenzeitlich mehr Wissen erworben habe über den auch im Ausland bekannten deutschen Bürokratismus, der nicht nur zum gepflegten Beamtenalltag in Deutschland zählt, sondern exzessive Blüten im deutschen Vereinsleben treibt. (Es füllen sich bei Gericht und vor Schiedsstellen zum Thema die Ordner).

Modelfoto. Alle Züchter sind Millionäre

Als verantwortungsvoller Züchter steht es für mich außer Frage, mich mit Kynologie allgemein, Genetik, Vererbungslehre, Ernährung, Aufzucht, Erziehung usw. im Detail zu befassen. Ich will ja nicht gleich zum Thema eine Doktorarbeit schreiben, aber ein bisschen mehr wissen als der „normale" Hundebesitzer, sollte ich als Züchter schon.

Jaha… nun darf der geneigte Leser aber nicht denken, dass es damit getan sei. Ein wahres Studium der Vereinsregeln, „Wer-mit-Wem-Wer-Gegen-Wen" und „Wer-aus-Prinzip-Mit-Keinem" kann man gleich daran hängen. Denn eins ist ja mal klar, nämlich, dass sich im Vereinsleben der wahre Charakter des Individuums zeigt. Ich meine hier nicht den Hund. Gelang es mir ja noch zur Zeit des aktiven Tennisspiels mich aus dem Vereinsleben elegant herauszuhalten, ist dies als Züchter einfach nicht möglich, weil man im Verein organisiert sein muss. Und da haben sie einen sozusagen in den Klauen.

Züchterinnen: Cindy Amaroso: Zheng He, Hanne Fogtmann: Dian Shan, Antje de la Porte: The Chinese Fellows, Jolanta Taujenie: Cunami und Silvija Bielskyte: Akcentas

Also hier verdiene ich nichts, sondern zahle nur für jedes Schriftstück und jeden Pups und natürlich für die Mitgliedschaft in harten Euro und darüber hinaus mit dem Verschleiß meiner Nerven und dem „Vertüddeln", wie der Norddeutsche sagt, dem „Vertüddeln" wertvoller Lebenszeit, wenn einmal mehr bei Sitzungen endlose Debatten zu längst abgehakten Themen stattfinden. Auch ganz klar und erste Vereinsregel: Der eine Züchter gönnt dem anderen nicht das Schwarze unterm Fingernagel. Manche Züchter hätten zu Zeiten Ludwigs des Sonnenkönigs steile Karrieren bei Hofe machen können, weil sie die geborenen Drahtzieher sind (um es einmal fein auszudrücken). Alle Profilneurotiker der Welt suchen sich IHREN Verein.

Meine Erkenntnis für mich: Nichts verdient – aber ordentlich bezahlt.

Da ich aber meine Hunde liebe und züchten möchte aus den o.g. Gründen, nehme ich das Vereinsleben in Kauf, mache das Beste daraus und lasse mich „da draußen" von Mann und Frau weiter anfeinden (weil es ja genug herrenlose Tiere im Tierheim gibt, denen man ein Zuhause geben sollte und man nicht noch weitere Hunde produzieren darf, weil das verantwortungslos ist). Ich streite mich weiter über verschiedenen Erziehungsmethoden bei Hunden, den Unsinn von Welpenspielgruppen und den Sinn und Zweck des millimetergenauen Bei-Fuß-Gehens und dann, ja dann lasse ich mir wieder einmal sagen, dass ich als Züchter ja nur Geld verdienen will und ohnehin schon reich bin.

Stimmt. Ich bin reich an Erfahrungen geworden, gucke ich doch bei Versammlungen des Vereins und bei Ausstellungen in die Abgründe der menschlichen Seele und Eitelkeit, schaue aber auch in braune Hundeaugen, die mir ganz andere Geschichten erzählen, die nicht immer nur einen glücklichen Inhalt haben, mache mir Gedanken um Dinge, die mich vor ein paar Jahren nicht interessiert haben und mache sogar eine Ausbildung zur Problemhundetherapeutin, um Hunde noch besser zu verstehen und ihnen helfen zu können, wenn es nötig ist. Nebenbei lerne ich ganz viel über Menschen und ihr Verhalten, schätze die Hunde (und auch die Katzen) umso mehr und bin reicher geworden durch einige handverlesene Freundschaften mit ein paar Züchterinnen, die wir zum Thema alle die gleiche Einstellung haben. Und so gesehen, und nur so gesehen, bin ich tatsächlich reich und danke dafür.

©  Antje de la Porte

Ich schaue aber auch in braune Hundeaugen, die mir ganz andere Geschichten erzählen

Kolumne Nummer Neun (2009)

Gute Vorsätze

Es ist wieder soweit. Gott und die Welt erwarten offenbar, dass ich mir ein paar gute Vorsätze bereitlege, die ich dann mit Beginn des neuen Jahres in die Tat umsetzen werde.

Pustekuchen. In diesem Jahr spiele ich nicht mehr mit. Da lebe ich antizyklisch und starte mit den guten Vorsätzen, wenn überhaupt, frühestens im Mai. Warum gerade dann? Weil das schon im deutschen Liedgut besungen wird. „Alles neu, macht der Mai." Unsere Vorderen wussten bestimmt, warum sie hier den Mai besangen.

Ich denke, dass es damit zu tun hatte, dass die Fastenzeit vorbei und der Frühjahrsputz erledigt ist. Und so stellt man fest, dass just auch die Natur im Mai zu Neuem durchstartet. Wer sich daher das Rauchen abgewöhnen möchte oder ein paar Kilo verlieren will, sollte in dieser Jahreszeit damit beginnen, seinen Rauch- und Schokosüchten zu begegnen und sich gegen sie zur Wehr zu setzen. Im Januar, wenn es draußen kalt und verschneit ist, da hat man doch erst recht das Bedürfnis nach kuscheliger Gemütlichkeit. Dazu gehört dann ein Stück Kuchen, leckerer Tee oder Kaffee, ein Likörchen und dann eine Verdauungszigarette. Oder etwa nicht?

Im Mai habe ich mehr Energie, da möchte ich im Garten buddeln, nach den Eisheiligen die Blumentöpfe bepflanzen und den Oleander aus dem Winterquartier herausstellen. Ich möchte mich mit den Hunden an langen, zügigen Spaziergängen erfreuen und dabei, ganz nebenbei, ein paar Kalorien verbrennen. Vielleicht jogge ich sogar mal wieder – oder, nein – ich beginne mit dem Walken. Das ist auch viel gesünder.

Welche guten Vorsätze kennen Sie denn so aus dem Freundes- und Familienkreis? Die Klassiker habe ich ja schon angeführt. Manche nehmen sich vielleicht vor, sich wieder mehr der Familie zu widmen oder den Freunden, häufiger die Wohnung oder das Zimmer (Kinder) aufzuräumen, sich die Zeit für Kultur zu nehmen oder dem Stress durch gepflegtes „Chillen" im Wellness-Bereich eines Sportstudios zu entfliehen, damit der Hausarzt nicht wieder mit „Kardioproblemen" droht. Oder man nimmt sich hoch und heilig und ernsthaft vor, die Buchführung nicht immer bis zum letzten Tag liegen zu lassen, um dann alles in einer Nachtschicht erledigen zu müssen. Und und und. Es gibt ebenso viele Vorsätze wie es Menschen gibt.

Und die Hälfte der Vorsätze verendet elendig, weil ihnen, sozusagen genetisch bedingt, nur eine sehr kurze Lebenserwartung bestimmt ist. Gute Vorsätze sind wie Eintagsfliegen. Mein Großvater pflegte zu sagen: „Der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert". Recht hatte er.

Und darum fasse ich jetzt, Anfang Januar, schon mal den grundlegenden Vorsatz, ab diesem Jahr nur noch einen einzigen Vorsatz zu haben: Nämlich mir keine Vorsätze mehr vorzunehmen, weil… siehe oben…

©  Antje de la Porte

Kolumne Nummer Acht

Rehfarbener Chowwelpe.

Mit-Ohne-Hund

Es überrascht mich doch immer wieder, mit welch seltsamer Vorstellung so manch zukünftiger Hundebesitzer an die Thematik Hundekauf herangeht. Kürzlich konnte ich bei einer Hundeausstellung fast alle Variationen erfahren, weil ich nämlich mit meinen beiden Chow-Chows an exponierter Stelle einen halben Tag warten durfte, bis wir unseren Auftritt im Ring hatten. Ganz viele Besucher der Ausstellungshalle blieben bei uns stehen, fragten, ob sie die Hunde streicheln dürften und wollten allerlei über die Rasse Chow-Chow erfahren. Hierbei bemerkte ich einmal mehr, wie viele Vorurteile dieser Rasse in Deutschland noch immer anhaften.

Dass man als Züchter oder Besitzer gefragt wird, ob der Hund kinderverträglich und ein Familienhund sei, das halte ich für verständlich. Allerdings finde ich, dass man diese beiden Fragen grundsätzlich doch bei fast jeder Rasse mit einem klaren JA beantworten kann. Schließlich fühlt der Hund sich in der Gemeinschaft wohl und es liegt doch wieder am Besitzer, was daraus gemacht wird. Meint: Gibt es klare Hausstandsregeln? Werden auch die Ruhepausen des Hundes berücksichtigt? Wird der Hund von klein an gut sozialisiert und an die Vielfältigkeit des Mensch-Hund-Daseinseins gewöhnt?

Eben so wenig wie es, meiner Meinung nach, den klassischen Anfängerhund gibt, gibt es den grundsätzlich unverträglichen Hund. Dafür gibt es kein Geburtsrecht.

Eine attraktive junge Frau, gepflegte Erscheinung, teurer Mantel, teures Handtäschchen, von teurem Duft umweht, streichelte meine cremefarbene Hündin und fragte mich mit leicht östlich anmutendem Akzent: „Wie viel Platz brrraucht so eine Hund?"

Ich sah sie leicht verwirrt an. „Sie können einen Chow-Chow durchaus in der Wohnung halten und benötigen nicht zwingend ein Haus und einen großen Garten, wenn sie das meinen. Aber sie müssen schon zwei, besser drei Mal am Tag mit ihm Gassi gehen."

Sie nickte bedächtig, schien die Gewichtigkeit dieser Auskunft abzuwägen und murmelte dann: „Aaah… das doch…"

Ja, hoppla! Dachte sie etwa, sie könne dem Hund auf dem Balkon ein etwas größer bemessenes Katzenklo aufstellen? Ich überlegte noch, wie ich jetzt angemessen reagieren sollte, da legte sie auch schon nach: „Und welche Farrben gibt es?"

Ich antwortete brav und zählte die Farben auf:" Rot, Schwarz, Creme, Reh und Blau."

„Aah," meinte sie wieder gedehnt und streichelte wie in Trance meine Hündin, „und welche ist die wertvollste?" Am liebsten hätte ich ja geantwortet „das sind die grünlila getupften, weil die so selten sind" – aber ehrlich, was hätte das für einen Sinn bei so einem Menschen, der seinen Hund danach aussucht, welcher der wertvollste/teuerste ist. Ein paar Meter weiter wurden Shar Pei gerichtet, vielleicht wurde sie ja dort fündig. Ich jedenfalls habe mir ihr Gesicht gemerkt. Ist ja wohl klar warum, oder?

Ein anderer Besucher, ein großer, stattlicher Mann, der die sympathische Ausstrahlung eines Schwergewichtboxers hatte, fragte mehrmals, ob ein Chow-Chow denn auch wachsam und scharf sei. Früher habe er ja Schäferhunde gehabt, später Berner Sennenhunde. Letztere wären Schnarchnasen und nicht wachsam. Wenn er sich jetzt wieder einen Hund zulegen würde, am liebsten ja eine zierliche Hündin, so eine wie meine, dann sollte die aber wachsam sein.

Grundsätzlich wäre dieser Mensch mit einem Chow ja nicht schlecht beraten. Nur frage ich mich, was passiert denn mit der Hündin, wenn die nun wider Erwarten und entgegen des Rassetyps nicht wachsam ist? Versucht er sie dann, so wie man es auf dem Hundeplatz mit Schäferhunden übt, scharf zu machen? Na, da danke ich doch schön.

Dann kam an jenem Tag natürlich mehrmals der Klassiker unter den Fragen, wenn man Chow-Chows besitzt: „Sind die nicht sehr pflegeintensiv mit dem vielen Fell?"

Ich kann dazu nur sagen, dass mein Shi Tzu mehr haarte und die kurzen Haare meiner rumänischen Straßenhunde verhaken sich in den Polstern, während sich Chow-Chow-Haar sozusagen leichter abgreifen lässt (von den Katzenhaaren, die bei mir durch das Haus wirbeln mal ganz zu schweigen…). JA – ein Hund ist grundsätzlich pflegeintensiv. Ohne Hund, egal welcher Rasse er angehört, habe ich weniger Dreck in der Wohnung, ich habe geringere Kosten, ich muss nicht bei Wind und Wetter raus, wenn ich es nicht selbst will - aber, und das ist für mich am wichtigsten – ohne Hund habe ich viel weniger Freude im/am Leben.

Es gibt mir zu denken, dass mich keiner gefragt hat, ob ein Chow-Chow* Freude ins Leben bringt und es Spaß macht, wenn man mit ihm zusammenlebt. Wer sich diese Frage nicht ernsthaft stellt, sollte ohne Hund durchs Leben gehen. Dann geht es beiden besser.

© Antje de la Porte

* Rassehund oder Mischling (austauschbar)
Welche Farben gibt es?" Ich antwortete brav und zählte die Farben auf:" Creme (Kurzhaar), Reh, Blau, Rot und Schwarz,

Kolumne Nummer Sieben

Von der notwendigen Flexibilität im Alter

Wir alle haben so unsere Vorlieben und Abneigungen. Und wir haben Rituale, an denen wir hängen, die wir lebendig halten. Damit meine ich jetzt nicht das „Brauchtum", das selbstverständlich auch ein Ritual ist und landstrichweise in unterschiedlicher Form gepflegt wird. Nein, ich denke bei Ritualen zum Beispiel an meine Freundin, die sich jeden Morgen ihr Frühstück liebevoll auf einem Tablett arrangiert, es dann an ihren speziellen Frühstücksplatz trägt und es dort in aller Ruhe genießt (im Sommer auf der kleinen Terrasse vorm Haus, weil dort die Morgensonne scheint, im Winter genießt sie ihr Frühstück in dem winzigen Raum, durch dessen tief gezogenes Fenster sie auf jene Terrasse blickt). Im Winter brennt eine Kerze oder ein kleines Adventsgesteck auf dem Tisch. Sie macht es sich selbst gemütlich und schön.

Ich trinke schon seit vielen Jahren meinen ersten Kaffee lesend im Bett und oft genug folgt der ersten noch eine zweite Tasse. Das hängt davon ab, wie spannend die aktuelle Lektüre ist.

Rituale und Gewohnheiten geben uns Halt im Leben. Sie sind ein verlässlicher Rettungsanker. Auch wenn uns dies manchmal gar nicht bewusst wird. Spätestens dann, wenn länger keine Zeit für unsere geliebten Gewohnheiten und rituellen Handlungen bleibt, dann merken wir, dass uns etwas fehlt. Das Tagesgerüst wankt. Erst an einem Tag, dann am zweiten und dritten, am vierten fühlen wir uns nicht recht wohl, am achten und neunten Tag maulen wir rum und bald schon erkennen wir, dass es höchste Zeit wird, wieder im alten Rhythmus zu leben.

Selbstverständlich ist das anders wenn wir verreisen. Dann verzichten wir auf Gewohnheiten, weil unser Leben für vierzehn Tage aufregend und spannend ist. Aber zurück in unserem alltäglichen Leben, begrüßen wir die lieb gewonnenen Gewohnheiten wie alte Freunde und frischen die Freundschaft sozusagen sofort wieder auf.

Eine andere Freundin sagt mir oft, dass es wichtig sei, flexibel zu bleiben, um im Alter (also so ungefähr in vierzig Jahren) auch noch elastisch zu sein und mit Neuem umgehen zu können, ohne vor Angst oder Ehrfurcht zu erstarren. Das finge schon beim Zähneputzen an, das man, ihrer Meinung nach, ruhig auch als Rechtshänder mal mit der linken Hand üben solle, man solle mal im Ehebett „auf der falschen Seite" schlafen, nicht ausschließlich Gurkensalat zum Rinderbraten essen, weil man das schon immer so getan habe, sondern einmal mutig Tomaten- oder Kopfsalat probieren und…

„Gelegentlich mal den Partner tauschen?" fragte ich unkend, „oder im total fremden Ehebett schlafen, nur um flexibel zu bleiben?"

„Ach", winkte sie ab, „du weißt genau, was ich meine. Natürlich sollst du nicht den Partner wechseln."

„Dafür müsste ich erst einmal einen haben", antwortete ich grinsend und ohne Bedauern. Ich stellte mir vor, wie ich mit meinen zwei Katzen und meiner kleinen Hündin Emma, die alle drei bei mir gewohnheitsmäßig im Bett schlafen, abends beim Nachbarn klingele, wenn dessen Frau zur Mutter-Kind-Kur nach Amrum verschickt wurde, und ich ihm dann erkläre, dass ich gern aus Gründen der Flexibilitätserhaltung mal eine Nacht an seiner Seite schlafen würde, dass mein Erneuerungsdrang jedoch nicht soweit ginge, auf meine drei üblichen Bettgenossen zu verzichten. (Ich brächte auch mein eigenes Kopfkissen mit). Na, der würde wohl Augen machen…

Jetzt mal wieder ernsthaft: Es ist mir durchaus klar, dass es sinnvoll ist, gewisse Gewohnheiten gelegentlich gegen andere zu tauschen. Einfach um zu gucken wie sich das dann so anfühlt.

Aber ich hänge mit zunehmendem Alter immer mehr an meinen Eigenarten und Gewohnheiten, an Ritualen und zelebriere geradezu liebgewordene Schrulligkeiten. Wenn ich verreise, dann nur mit eigenem Kopfkissen und einer Schlummerrolle, einem winzigen Wasserkocher, meinem Lieblingsteebecher und meinem Lieblingstee, dicken Wollsocken für die Nacht und mit „Molli", einem weichen Schmuseschaf, in das ich eine Kinderwärmflasche stecke, was mir nicht annähernd in der Fremde meine Hunde und Katzen ersetzen kann, aber besser als gar nichts ist.

Noch vor zwanzig Jahren habe ich, während einer Afrikareise, die Menschen belächelt, die Schwarzbrot in Dosen mit sich führten und von anderen Deutschen, Langzeiturlaubern, dafür gern gierig ermordet worden wären. Heute verstehe ich das sehr gut.

Also hat meine Freundin doch Recht. Vor zwanzig Jahren war ich noch flexibler und konnte mich für einige Wochen an Frühstückstoast, das ein kenianischer Bäcker mit Oregano gewürzt buk, wie Pizza, arrangieren. Heute hätte ich auch Dosenbrot mit im Gepäck.

Emma und die "Wärmflaschenmolli"

Natürlich müssen wir darauf achten, dass Gewohnheiten und Rituale nicht vom bequemen Sicherheitsnetz zu Zwängen werden. Ein wenig „Lockerness" tut uns allen gut, wie ich glaube, und so versuche ich dann auch gelegentlich Dinge einmal anders zu tun. Meine vierbeinigen Mitbewohner stelle ich damit manchmal vor echte Herausforderungen, aber neuerdings zeigen die sich sehr viel flexibler und nehmen es entspannt, wenn der Gassigang nicht auf die Minute genau gestartet wird und es das Futter einmal früher gibt als sonst. Da wir nie alle gemeinsam zum Spaziergang aufbrechen, teile ich die Gruppen jetzt häufig mal anders ein und nach kurzer Irritiertheit haben sich alle daran gewöhnt, dass es neu gemischte Gruppen gibt. Neue Wege gehen wir ja ohnehin schon täglich und nie zwei Tage nacheinander dieselben.

Nur die angestammten Schlafplätze gemeinsam mit mir, der Rudelführerin, auf dem Lager/Bett und darum herum, die werden nicht getauscht. Da sind wir alle, ich eingeschlossen, absolut unflexibel und wollen es auch bleiben.

So träumen wir eben süßer.

©  Antje de la Porte

Jamie und Emma im Bett

Kolumne Nummer Sechs

Der erste Eindruck

Nun wissen wir es! Frauen mit Hund wirken attraktiver.

Eine repräsentative Studie zum Thema „Psychologie des ersten Eindrucks" hat das ergeben. Die überwiegende Mehrheit der befragten Personen gab an, den Frauen mit Hund mehr Selbstdisziplin, Geduld, Familiensinn und eine optimistische Lebenshaltung zuzuschreiben.

Außerdem glauben die Befragten, dass die Frau, die ihnen auf einem Foto in Begleitung eines Hundes gezeigt wurde, schneller Gesprächskontakt bekommt, zufriedener mit ihrem Leben ist, mehr Freunde hat , lebhafter und optimistischer ist und obendrein sympathischer wirkt als dieselbe Frau ohne Hund.

Mir stellen sich diesbezüglich noch ein paar Fragen, die ich gern beantwortet hätte, die aber offenbar für die Universität Bonn nicht relevant waren, nämlich: a) Was für ein Typ Frau war auf dem Foto zu sehen (blond, brünett, schlank, rund, alt jung usw.)? b) Welche Hunderasse begleitete die Frau oder war es gar ein Mischling (groß oder klein, schwarz oder braun, kurzhaarig oder ein Fellwuschel)? c) Was war auf dem Foto weiter zu sehen? Gingen die beiden spazieren oder apportierte der Hund gerade ein Stöckchen? War der Hund angeleint oder lief er frei neben seinem Frauchen her?

Ich finde, dass das alles schon wichtige Details zur Beurteilung sind. Oder sehen Sie das anders? Prüfen Sie sich doch rasch einmal und stellen Sie sich vor Ihrem inneren Auge das Bild einer sportlich wirkenden, schlanken jungen Frau in Begleitung eines Stöckchen tragenden Labradors vor. Okay. Haben Sie’s? Gut. Und jetzt bewerten Sie bitte, was Sie sehen. Wirkt die Frau sympathisch? Ist sie zufrieden mit ihrem Leben und bekommt sie rasch Gesprächskontakt? Wirkt sie gesund und vital? (Und wie wirkt der Hund?)

Und nun stellen Sie sich doch bitte eine Frau in mittleren Jahren, also so um Fünfzig vor, die nicht ganz so schlank ist aber auch nicht wirklich dick. Und nun lassen Sie an deren Seite den Labrador sein Stöckchen Heim tragen… Na? Welchen Eindruck haben Sie von dieser Frau? Wirkt sie ebenso sympathisch und gesprächsbereit usw.?

Wie verändert sich das Bild, wenn Sie den beiden Frauen einen Mischling oder einen Mops, einen Dackel oder einen Deutschen Schäferhund an die Seite stellen, mal mit Stöckchen, mal angeleint, mal frei laufend, mal einen alten Hund, mal einen jungen agilen? Und was ist überhaupt, wenn die Frau auf dem inneren Foto die sprichwörtlich „Omma" ist?

Ich denke, Sie wissen schon, worauf ich hinaus will, oder?

Wer nach dem Lesen der Zeitungsnotiz über die o. g. Studie glaubt, er könne sein Leben ein wenig vereinfachen und bereichern, könne leichter Kontakte schließen und endlich disziplinierter werden, wenn er sich mit einem Hund, irgendeinem Hund, vergesellschaftet, dem rufe ich hier laut und vernehmlich zu: „IRRTUM!"

Denn erstens wurden in der Aufzählung ganz wichtige Eigenschaften des Halters wie zum Beispiel Humor, Hundesachverstand, Toleranz in Bezug auf Hundehaare, Schmutz und auch mal Gesabber vergessen, sowie die Bereitschaft ziemlich viel Geld im Laufe eines Hundelebens genau in dieses zu investieren (Futter, Tierarzt, Groomer, Spielzeug, Decken und ich weiß nicht was noch alles). Zweitens wurde außer Acht gelassen, dass man sich vorher schon darüber im Klaren sein sollte, welchen Eindruck man erwecken möchte, welches Ziel man verfolgt. Es steht doch außer Zweifel, dass ich in Begleitung eines Mopses (eine gerade sehr angesagte Rasse) anders wirke, als wenn ich einen Borderterrier an der Leine führe (auch derzeit sehr angesagt, aber die sportlichere Ausführung). Jogge ich mit einem Bordercollie durch den Park, erziele ich selbstverständlich eine andere Wirkung als wenn ich mit einem Riesenschnauzer gemeinsam über die Wiese hechle.

So einfach ist das also alles mal wieder gar nicht, wie man uns glauben machen will.

Und wie ist denn überhaupt der erweckte Eindruck, wenn Frau gleich mit mehreren Hunden unterwegs ist????

Jetzt frage ich mich natürlich sofort, welche Wirkung Männer mit Hund haben?

Gleich noch einmal zurückspulen und vor unserem inneren Auge das Bild eines Mannes erscheinen lassen, der, sagen wir mal, mit einem Belgischen Schäferhund Gassi geht. Und danach sehen wir einen Fahrrad fahrenden, neben dem ein Dalmatiner trabt, gleich danach zockelt ein älter Herr mit Bulldogge durch den Park, dicht gefolgt von einem skatenden jungen Typen, dessen Aussie um ihn herumspringt.

Hey, das macht Spaß! Weiter!

Ich sehe jetzt einen muskulösen, breitschultrigen Endzwanziger mit längerem Haar, der sich mit seinem Mastif eine Tüte Erdbeereis teilt. Dann kommt mir ein knorriger Alter in den Sinn, der seinen ebenfalls leicht schnauzengrauen Cockerspaniel Gassi führt, gefolgt von zwei Jungs, die von drei kläffenden Jack Russel-Terriern umringt werden, gefolgt von einem attraktiven, Erfolg ausstrahlendem Herrn mit Golden Retriever an der Seite, gefolgt von…gefolgt von… gefolgt von…So viele tolle Eindrücke…

© Antje de la Porte

Kolumne Nummer fünf

Ich bewundere die riesigen Blüten meiner Strauchpäonie

Da muss doch noch mehr sein
(Das weibliche Ringen um die Balance im Leben)

Ist es ein frauenspezifisches Problem, nie mit dem zufrieden zu sein, das frau erreicht hat? Oder geht es den meisten Männern ähnlich und die spielen uns immer nur die erfolgreichen, zufriedenen, angekommenen „Mein-Haus-meine-Frau-meine-Kinder-mein-Auto-meine-Yacht-mein-Hund-meine-Platin-Card"-Typen vor?

Es hat etwas Rastloses, immer wieder mit etwas Neuem zu beginnen, vielleicht sogar dafür etwas Anderes abzubrechen, es nicht zu Ende zu führen. „Kannst du denn nicht einmal etwas fertig machen?" tönt dann jemand aus unserem Umfeld. Vorzugsweise ein Elternteil, so die Eltern noch aktiv an unserem Leben teilnehmen und nicht dement im Heim vor sich hin sabbern. Oder der Lebenspartner ereifert sich, dass wir schon wieder einen neuen Kurs, einen neuen Job beginnen oder doch wenigstens laut über eine Veränderung in dieser Art nachdenken.

Was sollen wir tun? Sollen wir unsere Vielseitigkeit negieren, ihr mit dem Holzhammer auf den Schädel hauen, bis sie krümelklein ist und wir sie in den Mülleimer fegen können? Neugierig sein, das heißt für mich auch lebendig sein und immer mal wieder Neues probieren. Vielseitigkeit bedeutet, man hat die Qual der Wahl? Die tumben Typen, egal welchen Geschlechts, die mit Scheuklappen durch ihr Leben schlurfen, kritiklos den Schrott konsumieren, der ihnen durch die Medien, die klatschsüchtige Nachbarin und die Tresenfreunde aus der Eckkneipe vorgesetzt wird und damit zufrieden sind, die haben es wirklich ein bisschen leichter im Leben.

Nein. Nein. Das meine ich nicht ironisch, sondern ehrlich. Das heißt jedoch noch lange nicht, dass ich mit denen tauschen möchte.

Noch einmal: Vielseitig sein birgt die Qual der Wahl. Ich will mich nicht auf ein einziges Lebensthema beschränken, weil ich mir so viele, zumindest auf den ersten Blick, für mich passende vorstellen kann. Unter der Fülle der Interessen leide ich auch ein bisschen, weil ich nicht weiß, wie viel Lebenszeit mir noch beschieden ist und ob ich mich vielleicht doch mehr beeilen sollte, um das, was ich noch tun, fühlen, sehen und probieren möchte in das mir beschiedene Zeitpaket zu verpacken. Und eins ist doch mal so sicher wie das Amen in der Kirche: ich werde am Ende meines Lebens nie und nimmer alles geschafft haben.

Und jetzt frage ich Sie – ist das dann gut oder schlecht?

Ist es positiv, wenn ich auch am Ende meines Lebens noch neue Projekte hätte beginnen wollen? Wenn ich auch dann noch Visionen von einem neuen temporären Lebensstil oder Lebensinhalt gehabt hätte? Oder wäre es dann besser, wenn ich sagen könnte, alles getan und probiert zu haben, was mir in meinem Leben wichtig gewesen war. Wenn ich sagen könnte, dass alles vollbracht und gut ist?

Mir gelingt es einfach nicht, bei diesem, mein Leben bestimmenden Thema, zu einer schlussendlichen Erkenntnis zu gelangen. So erhoffe ich mir Hilfe aus Büchern, die so viel versprechende Titel haben wie „Du musst Dich nicht entscheiden, wenn Du tausend Träume hast" oder „Wer bin ich – und wenn ja, wie viele?".

Was die oben beschriebene Thematik anbetrifft, bin ich mit Sicherheit eine multiple Person. Und ich weiß, dass es vielen Frauen ähnlich wie mir geht.

Gestern, morgens um kurz nach Sechs, hatte ich für zehn Minuten das Glücksgefühl angekommen zu sein. Ich lag mit meiner rumänischen Straßenhündin „Emma" in meinem Bett. Wir kuschelten uns aneinander. Meine kleine Hündin reckte sich wohlig und grunzte dabei vor sich hin. Ihr warmer Pfotengeruch stieg mir in die Nase. Ich schloss die Augen und erlebte diesen Moment so bewusst wie möglich. Durch das geöffnete Fenster drangen vielfältige Vogelstimmen zu uns. Ich lauschte dem Gezwitscher von Rotkelchen, Meise, Amsel, Singdrossel, Zilzalp, Braunelle und Zaunkönig und war in diesen wenigen Minuten total glücklich im Hier und Jetzt!

Mittags telefonierte ich mit meiner Freundin, die ihren Beruf als Friseurin noch mehr lieben würde, wenn sie ihn eigenständig ausüben könnte und sich nicht ständig mit wechselnden, idiotischen Chefs herumärgern müsste (alle Friseure, die ein eigenes Geschäft und unterbezahlte Angestellte ausbeuten, haben obendrein „einen an der Waffel". Das liegt wahrscheinlich an den Chemikalien, mit denen die täglich umgehen. Hier gebe ich meiner Freundin absolut Recht).

Also wir telefonierten miteinander und sie erinnerte mich einmal mehr daran, dass sie so gerne eine Hunde-KiTa aufmachen würde, ihr dafür aber die finanziellen Mittel fehlen (Pacht für ein Grundstück, Kaution, Erwerb von Hundespielzeug, Abschluss entsprechender Versicherung usw). „Und weißt Du was, jetzt lerne ich auf dem Hundespaziergang eine junge Frau kennen, locker zwanzig Jahre jünger als ich, komme mit ihr ins Gespräch und die drückt mir ihre Visitenkarte in die Hand und erzählt mir strahlend, dass sie in zwei Wochen eine Hunde-KiTa, gegenüber vom Tierheim eröffnet." Meine Freundin schwankt beim Erzählen noch zwischen ungläubigem Kopfschütteln und der Trauer über einem weiteren geplatzten Traum hin und her. Vor ein paar Jahren plante sie, eine Suppenküche zu eröffnen. Und am Ende hat das auch eine andere gemacht und meine Freundin geht dort nun gelegentlich hin, löffelt eine Zucchinicremesuppe aus olivefarbener Suppenschüssel und fühlt sich einmal mehr darin bestätigt, dass ihre Ideen von anderen ausgeführt werden, die einfach bloß schneller und finanziell unabhängiger sind.

Aber dann kam das, was ich hier eigentlich erzählen will. Meine Freundin sagte nämlich zu mir: „Das Leben kann so scheiße sein. Aber heute morgen habe ich mit „Fee" (das ist ihre kleine Podencohündin) im Bett gelegen und gekuschelt. Wir haben dabei den Vögeln zugehört, die draußen laut und glücklich gezwitschert haben und das war sooo schööön. Verstehst du, was ich meine?"

Und ob!

Wir vielseitigen Frauen dürfen nicht vergessen, uns auch an den kleinen Momenten zu erfreuen wie zum Beispiel morgens im Bett mit dem Hund zu kuscheln. Die Nase in warme, nach Gras und Nüssen duftende Hundepfoten zu vergraben. Das ist pures Glück.

Am Abend streife ich dann durch den Garten und bewundere das pinkfarbenen Glühen meiner Azalee

Jetzt, im Mai, sitze ich gern mit der ersten Tasse Kaffee auf der Bank vor meinem Haus, sehe dem Tag beim Wachwerden zu und belausche dabei die Hähne im Dorf, die sich gegenseitige Morgengrüße zurufen.

Am Abend streife ich dann durch den Garten und bewundere die riesigen Blüten meiner Strauchpäonie und das pinkfarbenen Glühen meiner Azalee.

Für einen Moment halte ich inne. Für einen kurzen Augenblick bin ich sogar glücklich und zufrieden mit dem, was gerade ist. Ich weiß ja, es gibt noch so viel, was ich tun muss und noch viel mehr, das ich probieren möchte – aber das alles kann doch auch mal warten. Oder etwa nicht?

Doch – ganz bestimmt.

© Antje de la Porte

Kolumne Vier

"Higgins"

„Nomen Est Omen"

Der Mensch strebt danach, sich von der breiten Masse abzuheben. Jedenfalls ist das meistens der Fall, wenn er die Teenagerjahre verlassen und sich lange genug dem Gruppenzwang gebeugt hat. Individualität zeigt sich dann mittels ausgefallener Kleidung, durch einen extremen Haarschnitt oder durch besondere verbale Ausdrucksform oder gleich durch komplette Verweigerung von allem und jedem.

Bei Hundebesitzern stelle ich drei Gruppierungen fest. Da gibt es diejenigen, die selbst noch mit der Wahl der Hunderasse im Trend liegen (die Leine des Hundes passt dann auch noch farblich zu Frauchens Haarfarbe oder Kleidung – selbstredend trendy und chic) und jene, die aus Prinzip schon nur einen Mischling nehmen, möglichst noch einen von einer osteuropäischen Straße sammeln. Gruppe Nummer drei entscheidet sich für eine bestimmte Rasse, weil es die nur in Patagonien gibt und auch dort nur in der Nähe einer kleinen Siedlung – eine ausgesprochen seltene Hunderasse eben.

Alles gut und schön. Jeder soll nach seinen Bedürfnissen handeln, solange BITTESCHÖN die des Hundes nicht außer Acht gelassen werden. Denn die bleiben leider oft auf der Strecke. Warum einen Pyrenäenhund im dritten Stock auf 70 Quadratmeter halten, wenn der ein großes Grundstück benötigt oder einen Neuguinea-Dingo, nur weil er hierzulande selten ist?

Da werden zwei Rassen unverantwortlich miteinander gekreuzt, weil man glaubt, es käme eine niedliche Mischung dabei heraus. Neueste Entgleisung hierzu: die Kreuzung von Beagle und Mops. Hier kämpfen dann zwei Persönlichkeiten in einem Hundeschädel, die nicht vereinbar sind. Kennen Sie die Geschichte von Dr. Jekyll und Mr. Hyde?

Die durchaus amüsante und häufig zu beobachtende Ausdrucksform der menschlichen Individualität, die Unterstreichung der Persönlichkeit des Menschen durch seinen vierbeinigen Begleiter (wenn es durch das Fahren eines sündhaftteuren Pkw nicht ausreichend gelingt) ist der Name des Hundes. Fifi ist ja so was von out. Boomer war in den Siebzigern des vergangenen Jahrhunderts, Lassie nur noch ein Mythos und Balko die Hauptfigur eines Zeichentrickfilmes. Heute stürmen Rufus und Jette über den Hundeplatz, gefolgt von Emma, Carlo, Lenchen, Bella und Jeff.

Richtig. Das sind die „Normalos" unter den Hunden.

Ich habe immer ganz besondere Freude daran, wenn mir zum Beispiel ein Herr der Generation „Fünfzig Plus" joggend im Park begegnet, der von seinem Yorkshireterrier „Rambo" begleitet wird. Eine ältere Dame, die ich gelegentlich mit ihrer Berner Sennenhündin treffe, erzählte mir, dass diese zu dem Namen „Britta" kam, weil Frauchens verstorbene beste Freundin so hieß. Also hat Frauchen ihre Hündin nach der Freundin benannt. Diese freut es jetzt wahrscheinlich und sie lächelt beiden von ihrer Wolke aus freundlich zu.

Als ich noch im Hamburger Randgebiet wohnte und dort in einem schleswig-holsteinischen Naherholungsgebiet meinen Chow Chow und meinen Shi Tzu lüftete, traf ich mittags oft einen großen, Kette rauchenden Immobilienmakler, der im Schneckentempo und stets im teuren Zwirn gekleidet und mit blank geputzten Budapestern durch den Wald schlich und seinen Chihuahua nur selten absetzte, um ihm kurz Bodenberührung zu gönnen. Der Chihuahua war weiblichen Geschlechts und hörte auf den Namen Lady Di. (Es entzieht sich meiner Kenntnis, ob der Name vom Züchter ausgesucht worden war und in den Papieren stand oder ob der Makler selbst auf diese Idee gekommen war). Die Hündin war demzufolge auch ein schikanöses Prinzesschen auf der Erbse, was dem Herrchen offenbar gefiel und von ihm gefördert wurde. Ich möchte hier nur kurz daran erinnern, dass der Chihuahua ein ernstzunehmender kleiner Hund mit großer Persönlichkeit ist und keineswegs einen „Knopf im Ohr" der Marke Steiff trägt. Man mag es kaum glauben, aber Chihuahuas können sogar laufen.

Verstehen Sie mich bloß nicht falsch. Ich bin nur der Meinung, dass der Name zum Hund passen muss. „Max" unterstreicht die Persönlichkeit eines Rauhhaardackels, „Solita" rückt die Exklusivität einer Barsoilady ins rechte Licht, „Yukon" verweist eindeutig auf einen Husky oder Alaskan Malamut, „Hunter" passt gut zu einem Border-Terrier oder einem Jagd-Terrier, „Cindy" und „Viola" sind zierliche Pudeldamen, „Karl" und „Käte" sind ein Mopspärchen und „Hilde" ist eine gemütliche Bassethündin.

Was denken sich jedoch Herrchen und Frauchen, wenn sie ihre Collies „Krabbe" und „Shrimp" nennen? Lachen die sich jedes Mal schlapp, wenn sie ihre Hunde rufen? Wie kann man auf die Idee kommen, einen Schäferhund den Namen „Fips" zu geben? Soll das der Irreführung dienen? Herrchen ruft „Fips, komm her" und amüsiert sich über die erstaunten Blicke anderer Spaziergänger, wenn brav der Schäferhund durch das Gebüsch bricht, wenn man das Erscheinen eines kleinen Mischlings erwartet hat?

Ich persönlich finde es ja überaus spannend, darüber zu sinnieren, was der Name des Hundes über sein Herrchen oder Frauchen aussagt…

Hier fordere ich den geneigten Leser dazu auf, ein wenig Küchenpsychologie zu betreiben, wenn ich ihm jetzt die nachfolgenden Hunde aufzähle. Wie mögen wohl die dazugehörigen Herrchen und Frauchen aussehen und welche Persönlichkeiten, welche Vorlieben und Abneigungen haben die wohl…?

„Sir Winston", ein Airdale-Terrier
„Sandokan", Shi Tzu
„Eros", Deutscher Schäferhund
„Dschamila", Pointer
„Rüdiger", Deutsch Drahthaar
„Funny", Papillon
„Terminator", Jack Russel Terrier
„Balzac", Königspudelmischling
„Nelson" Birardmischling
„Tinkerbelle", Pekinese
„Rammstein", Staffordshire-Bullterrier

Jetzt einmal anders herum: Zu welchem Hund, welcher Rasse könnten die nachfolgenden Namen passen: „Attila", „Beauty", „Mao", „Carlos", „Manila", „Nauke", „Oskar", „Baby Hübner", „Lorbas", „Pluto", „Oblomov", „Kitty" und zum Schluss noch „Mogli" und „Teddy".

Dann gibt es ja auch noch die verdammt schwierigen Namen und Zungenbrecher, die Züchter ihren Hunden so mit auf den Lebensweg geben…

Ich habe bei meinen Hunden und Katzen stets versucht, die Persönlichkeit des Tieres zu spiegeln. Ob es mir gelungen ist? Persönlich glaube ich, dass ich entsprechend einfühlsam war. Aber ich kann mich hierzu ja nur subjektiv äußern. Der nötige Abstand fehlt mir allemal. Und das ist auch gut so.
 
© Antje de la Porte 

Kolumne Drei

 

„Da lachen ja die Hunde“


Bei den Erzählungen gestresster Eltern, die über mehr oder weniger erfolgreiche Erziehungsversuche bei ihren Sprösslingen berichten, geht es den meisten Hundefreunden wohl wie mir. Unweigerlich schießt mir nämlich beim Zuhören der Gedanke durch den Kopf, dass sich Kinder und Hunde sehr ähnlich sind. Beide testen aus wie weit sie gehen können, bis die Eltern, respektive Herrchen oder Frauchen, endlich ein Machtwort sprechen und Grenzen aufzeigen. Und einiges regeln die „lieben Kleinen“ (Zwei- oder Vierbeiner) besser unter sich.

Für Kinder ist immer das Spielzeug besonders angesagt, das sich gerade ein Spielkamerad genommen hat. Auch wenn es bis dahin das langweiligste Spielzeug der gesamten Sandkiste gewesen ist, nun ist es im höchsten Maße interessant und muss errungen werden, nötigenfalls mit Nachdruck, lautem Geschrei, derber Rempelei und schlussendlich der Anforderung heimatlicher Truppen, sprich mütterlicher Unterstützung. Da stehen sich dann die Muttis knöcheltief im Sand gegenüber und erklären einander, warum ihr Sprössling nun dieses, selbstverständlich ausschließlich dieses, Spielzeug für seine augenblickliche Entwicklung benötigt und dass das kreischende Gör der Gegnerin sich gefälligst in Nächstenliebe, Toleranz und der Kunst des Teilens üben sollte...

In Gedanken sehe ich in solchen Situationen wie sich zwei junge Hunde um einen Kauknochen streiten, wobei der ranghöhere und stärkere Hund gewinnt und mit der Beute abzieht, zumindest solange, bis ihn der Knochen nicht mehr interessiert und er sich etwas neuem zuwendet. Hier schlägt dann die Stunde des vorherigen Verlierers.

Meine Hunde machen das sehr schön unter sich aus. Zwischen den beiden Junghündinnen ist die Rangfolge noch nicht ganz geklärt. Mal gewinnt die eine, mal die andere. Doch keine von ihnen würde es jemals wagen, einem der älteren Hunde etwas wegzunehmen, solange die noch Interesse daran bekunden. Würde ich mich nun einmischen, wie eine der o.g. Muttis und wie es mir eine Freundin rät, die dazu neigt, ihre Hunde zu vermenschlichen, gäbe es eine Palastrevolution erster Güte. Mit meinem Eingreifen, würden die Probleme erst beginnen.

Wie oft sehe ich die Kinder wieder friedlich mit einander spielen, während die Mütter sich noch feindselig mit Blicken erdolchen. Solange die Kinder nicht versuchen, sich die Schädel mit Plastikschippchen und Spielzeugbagger einzuschlagen, sollte man sich aus ihren Streitigkeiten raushalten, ihr falsches Verhalten ignorieren und sie sofort überschwänglich loben, wenn sie sich vertragen und vielleicht sogar ganz von selbst das Spielzeug dem Kameraden überlassen.

Ich rege hier mal die Diskussion an, ob man möglicherweise noch die sinnvolle Verstärkung des Klickers einsetzen könnte? Gar keine schlechte Idee, meinen Sie?

Eben. Das sagte sich auch die US-Autorin Amy Sutherland, die sich mit den verschiedenen Tricks und Methoden unterschiedlicher Tiertrainer vertraut machte und diese dann sehr erfolgreich bei ihrem Ehemann einsetzte. Sie ignorierte, was sie an ihrem Gatten störte, und sie reagierte freudig und mit viel Lob auf alles, was ihr gefiel.

Hallo! liebe Leserinnen dieser Kolumne, dass wir darauf nicht schon selbst gekommen sind? Oder sind Sie es vielleicht doch schon? Klickern Sie, wenn Ihr Mann daran denkt, die Mülltüte zur Tonne zu tragen (der Klassiker) und küssen Sie ihn zum Dank? Kommt der Klicker zum Einsatz, wenn er die Barthaare aus dem Waschbecken spült und die Schmutzwäsche in den Wäschekorb wirft (schon fast die Hohe Schule) und belobigen Sie ihn dafür mit seinem Lieblingsessen? Was muss er dafür tun, dass Sie ihm Karten für das Konzert der „Stones“ oder für das Aufstiegsspiel seines Fußballvereins schenken?

Wie wir wissen, bringen spielerische Übungen, die das Gelernte festigen, Abwechslung in den Trainingsalltag. Mit witzigen Erziehungsspielen, auch für größere Gruppen, sind Hund und Halter – sorry, Frau und Mann – immer neu gefordert, damit bloß keine Langeweile aufkommt.

Treffen wir uns also alle (mit unseren Lebenspartnern, Ehemännern und Hunden) am kommenden Sonntag um elf Uhr auf der Hundewiese und machen gemeinsam die ersten Schritte im Dog Dancing. Vielleicht lerne ich dabei die notwendigen Tricks, um meinem Mann endlich erfolgreich Walzer- und Sambatanzen beizubringen.

© Antje de la Porte 

Kolumne zwei

„Wie der Herr so’s Gescherr“ oder „Spieglein, Spieglein an der Wand“

 

 

Kürzlich wurde anlässlich einer Rassekatzenausstellung in Bremen von Journalisten die Frage gestellt, wie sehr sich wohl im Laufe der Zeit Besitzer und Katze äußerlich einander angleichen.

Der dienstälteste Richter vor Ort meinte, dass Ähnlichkeiten durchaus feststellbar seien. So würden etwas „stabiler gebaute“ Menschen Katzen von ähnlicher Statur ausstellen und bevorzugen, während schlanke und agile Menschen doch meist auch Katzen dieses Typs den Vorzug geben.

Zum Beweis wurden vier Katzenaussteller aus der Menge herausgenommen und vor die Kamera gebeten. Und siehe da, als sie sich kurz darauf noch einmal mit ihren Katzen auf dem Arm vor die Kamera stellten, wurde die Aussage des dienstältesten Richters bestätigt. Die pummelige Frau hielt eine mollige Karthäuserkatze im Arm, der spiddelige Mann in Beige trug einen langbeinigen, an Fred Astair erinnernden, Siamkater auf der Schulter, der wohlbeleibte Herr in Jeans und weißem T-Shirt balancierte einen aufgeplusterten, weißen Perserkater auf den Armen (es kann auch eine Katze gewesen sein) und die Kate-Mossige junge Frau präsentierte stolz eine magere, haarlose Kreatur, der ich gern ein Jäckchen gestrickt hätte.

Dabei fiel mir gleich die Geschichte ein, die meine Mutter schon viele Jahre lang immer mal wieder zum besten gibt, nämlich, dass in ihrem Dorf (sie war damals noch ein kleines Mädchen) ein altes, kinderloses Ehepaar wohnte, das einen dicken, gestromten Kater mit Namen „Peter“ besaßen.

„Uns’ Pedder is uns’ Kind“, sagte die Frau, die auf ihrem Weg durch das Dorf meistens von ihrem Peter begleitet wurde.

„Doch das wirklich Frappierende war“, sagt meine Mutter, „dass Peter genau so ein pausbackig dämliches Gesicht hatte, wie sein Herrchen.“ Das habe sie schon damals als kleines Mädchen fasziniert. „Und das zeigt doch einmal mehr, dass  Mann und Hund beziehungsweise Mann und Katz sich einander angleichen.“

So. Und wie ist das nun mit dem Hund und seinem Herrn respektive Frauchen?

Vor einigen Jahren ging ich mit meinen beiden Hunden im Wald spazieren. Links von mir trabte mein stolzer Chow-Rüde Omar in all seiner Fellpracht und mit seinen 34 Kilo Gewicht und 56 Zentimeter Schulterhöhe. Rechts von mir zuckelte mein kampflustiger Shi Tzu Bao mit seinen achtzehn Zentimeter Schulterhöhe und sechs Kilo Lebendgewicht. Wir trafen auf einen hochgewachsenen, in Grün gekleideten Herrn  mit seinem Magyar Vizla, der uns ein Gespräch aufdrängte, mich dabei die ganze Zeit beäugte und schließlich sagte: „Die Ähnlichkeit zwischen Ihnen und Ihrem Hund ist nicht zu übersehen.“

Ich antwortete lächelnd: „Nicht war, wir haben beide so schönes rotes Haar.“ Es war für mich klar, dass ich rothaarige, wohlgerundete Person nur mit meinem stolzen Chow Chow verglichen werden konnte.

Doch der Mann zögerte kurz und sagte dann etwas verlegen: „Ich hatte eigentlich den Kleinen da gemeint.“ Er wies mit der Hand auf den Shi Tzu.

Okay. Ich bin nur knapp ein Meter Sechzig groß. Aber ich muss schon bitten?! Habe ich etwa Schlappohren, Glubschaugen und einen Plattschädel??!! Diese Frage stellte ich kurz darauf aufgebracht einer Hundefreundin, die sich noch heute (ungefähr acht Jahre später) über meine damalige Empörung köstlich amüsiert...

Meine ganz persönliche Feststellung ist die folgende: Wenn ein Mensch sich mit den Bedürfnissen einer bestimmten Rasse und deren Eigenarten auseinandersetzt und sich dann nicht von der aktuellen Mode oder dem eigenen Schönheitsempfinden allein leiten lässt, sondern eben auch den Bedürfnissen des Hundes gerecht werden will, dann wird er sich, wenn er nicht total beschränkt ist, für einen Hund einer Rasse entscheiden, die beides in sich vereint. Nämlich: In seinen Augen schön ist und Ansprüche an ihn stellt, die er erfüllen kann. Und das zehn bis sechzehn Jahre lang.

Ein sportlicher Mensch, der jeden Abend eine Stunde joggt, hätte möglicherweise gern dabei Begleitung und wäre mit einem Dalmatiner, einem Husky oder einem Borderterrier gut beraten. Oder mit einem sportlich veranlagten Mischling. Und ich glaube nicht, dass dieser, von mir hier beschriebene Mensch, hundertfünf Kilo wiegt. So einer bevorzugt nämlich  gemächliche Spaziergänge bis zum nächsten italienischen Restaurant und fühlt sich eher zum Basset Hound hingezogen. Mit einem Chow Chow wäre er auch gut versorgt, vorausgesetzt, er kann sich auf dessen Persönlichkeit einlassen.

Diesen, meinen Gedanken weiter gedacht, bedeutet in meinem Falle wohl, dass ich einerseits durch rotes Haar, kompaktes Äußeres, dem Hang zum Individualismus und der Affinität zu Asien meinen heißgeliebten Chow Chows ähnele und zugleich das teilweise kampflustige doch auch clowneske Temperament des aus Tibet und China stammenden Shi Tzu in mir vereine. Es liegt im Auge des Betrachters, ob er mehr den einen oder den anderen rassetypischen Zug bei mir wahrnimmt.

Doch eines möchte ich an dieser Stelle ausdrücklich betonen: Ich habe keine Schlappohren und leide nicht an der Basedowschen Krankheit.

Und nun nehmen Sie doch mal Ihren Vierbeiner mit vor den Spiegel und stellen Sie sich dem, was Ihnen daraus entgegenspringt.

© Antje de la Porte 






Kolumne eins

Wo die (Tier)liebe hinfällt

 

Ich habe es gewusst, mir allerdings lange nicht im tatsächlichen Ausmaße bewusst gemacht: Die Liebe zum Hund/zum Tier polarisiert.

Hier die Menschen, die Tiere allgemein lieben und ihr Haustier natürlich ganz besonders, und dort die Menschen, die für Tiere wenig bis gar nichts übrig haben (es sei denn, sie liegen in delikater Zubereitung auf ihrem Teller).

Seit dem Jahr 2000 haben in Deutschland Hundliebhaber und Hundehasser ganz neue Plattformen, Sprachrohre, Profilierungsmöglichkeiten und mehr gefunden - oft keineswegs zum Wohl des Hundes.

Noch nie zuvor gab es so viele Tiersendungen im Fernsehen und Hundeerziehungsratgeber boomen. Ob die Tiernanny oder die Psychocouch für Pelznasen, die Pferdeflüsterin, die Reportage über mutige Ordnungsbeamte bei der Hundesteuerkontrolle oder Ordnungshüter mit spezieller Lizenz für „Hundeknöllchen“, alles findet seine Nische im Programm und offenbar Zustimmung beim Zuschauer. Und nun endlich Knut. Schon lesen wir auch „die Antwort auf Knut“ und sehen Fotos von jungen Highlandkälbchen, Tiger- und Löwenbabies.

Nun oute ich mich schon lange als absolute Tierliebhaberin. Trotz meiner Katzenhaarallergie bevölkern seit 1978 Katzen meinen unmittelbaren Lebensraum und nächtigen am Fußende meines Bettes. Ich gebe zu, dort, nämlich in meinem Bett, finden sich statistisch gesehen, häufiger Katzen als Männer, obwohl ich auf letztere keineswegs allergisch reagiere. Nicht auf alle jedenfalls. Erst kürzlich hatte ich einen ganz besonderen... aber nein, das würde hier zu weit führen.

In der Vergangenheit habe ich Gespräche über Tiere mit Menschen, die keine Tierliebhaber sind, insbesondere keine Hundeliebhaber, verweigert. Die Erfahrung hat mir gezeigt, dass es keinen gemeinsamen Nenner gibt und mein Blutdruck unnötig bei derartigen Gesprächen ansteigt, eben weil das Thema emotionsbeladen ist und, wie gesagt, polarisierend.

Mir ist noch immer eine Begegnung mit einem Ehepaar (die waren mir schon unsympathisch, als sie mir vorgestellt wurden) gegenwärtig, obwohl die nun schon knapp acht oder vielleicht auch zehn Jahre zurückliegt. Kurz zuvor war es meinem Chow Chow gelungen, sich an einem frühen und eisigen Märzmorgen in menschlichen Exkrementen zu wälzen, die unweit des Weges im Gebüsch lagen, den wir täglich für die Gassirunde nutzten und den wir uns mit Joggern, Walkern und Spaziergängern teilten. Ich hatte im Laufe der Jahre, die ich dort nun schon ging, öfters beobachtet, dass die Gedärme mancher Jogger durch den Sport in Wallung kamen und die sich kurz ins Gebüsch verdrückten, wobei die sich meist knapp so weit zurückzogen, wie es mein Hund mindestens für seine Geschäfte tat. Kurz und gut: Mein Chow hatte sich in solch einer Hinterlassenschaft gewälzt, ich hatte es zu spät bemerkt und musste ihn nun noch im gerade frisch gereinigten Auto wieder nach Hause transportieren. Sie können sich wahrscheinlich vorstellen, welche Düfte uns beide im Wagen umgaben.

Nun war es ganz klar zu kalt, um den Hund im Garten zu waschen. Was also tun? Kurz entschlossen stieg ich bald darauf mit meinem Hund gemeinsam in die Dusche und säuberte ihn unter Aufbringung aller Todesverachtung, derer ich habhaft wurde. Der Geruch allerdings, der sich im Duschbad verbreitete, lag mir noch tagelang auf den Nasenschleimhäuten.

Doch zurück zu jenem Partygespräch. Ich erzählte diese Begebenheit dem Gastgeber, der ebenfalls ein Hundefan ist und mich und meine Misere nur zu gut verstand. Jenes, mir unsympathische Ehepaar, stand hinter mir und hörte sich meine humorvoll erzählte Geschichte an und dann legte es los: Beide joggten sie und waren schon von „sportswegen“ Hundeverachter. Selbst Schuld, so meinten sie einstimmig. Wenn man sich einen Köter anschaffe, dann müsse man eben auch mit so einer Schweinerei rechnen. Ich hätte doch keine Ahnung, was so ein armer Jogger durch die blöden Köter alles erleide... und und und

Nachdem ich ihnen, selbstverständlich vergeblich, versucht hatte klarzumachen, dass die Schweinerei ja durch Joggerscheiße entstanden sei und ich es im übrigen auch immer wieder ganz toll fände, dass Jogger niemals ein Taschentuch bei sich trügen und stets  mitten auf den Waldweg rotzten und spuckten, wie vom Zauberberg verbannte Lungenkranke, steigerten sie die Schimpftiraden noch und erweiterten ihren Radius der Verachtung auf Katzen (die jagen Singvögel und scheißen in Nachbars Blumenbeete).

Übrigens erfuhr ich noch im Laufe des Abends, dass diese beiden „Saubermänner“ beruflich als Lehrer unterwegs waren. Die wissen bekanntlich alles und alles besser. Irgendwie überraschte mich diese Information gar nicht.

Da ich ja Gast an jenem Abend war und mir noch ein paar Reste meiner guten Erziehung bewahrt habe, teilte ich den beiden lediglich mit, dass mir ihre armselige Meinung an der Heckwange vorbeiginge und ich mich im übrigen doch gar nicht mit ihnen hatte unterhalten wollen und die Gästeliste doch für uns beide ausreichend Ausweichgesprächspartner böte. Mit letztem, bemüht freundlich arrogantem Nicken an ihnen vorbei, ging ich quer durch den Raum und gesellte mich zu einem Grüppchen, das gerade von der Kromfohrländerhündin der Gastgeber umrundet wurde. Hier die Hundeliebhaber – dort die Hundehasser. Und nur so passt das.

Es tut mir gar nicht leid, dass ich mit solchen Menschen nichts anfangen kann und sie auch gar nicht in meinem Umfeld haben möchte.

Machen Sie sich mal die Mühe und betrachten Sie Ihren Freundeskreis unter speziellem Hundefokus. Wahrscheinlich sind Sie ja auch ein Hundeliebhaber, sonst würden Sie dies hier gar nicht lesen und es hätte Sie wohl nicht auf diese website verschlagen. Zählen Sie mal nach. Wie viele Hundeliebhaber/Tierliebhaber zählt ihr Freundeskreis? Gibt es auch darin Menschen, die keine Tierliebhaber sind? Wie viele?

Ich bin mir ziemlich sicher, die Tierliebhaber werden überwiegen. Weil Tierliebe eben polarisiert und Hundeliebe allemal.

Wenn wir uns darüber im Klaren sind, wird es viel einfacher, unseren Freundeskreis zu pflegen und evtl. zu erweitern. Spätestens nachdem wir die Vierzig erreicht haben, ist die maximale Freundeskapazität ebenfalls erreicht. Wir haben keine Zeit mehr für Neuzugänge. Es sei denn, es wird ein Platz frei. Ich habe es mir zur Regel gemacht, lediglich Hundefans in meinen „inner circle“ zu lassen. Wer mich besuchen kommt, darf keine Tierhaarallergie oder Tierphobie haben. Und der Mann in meinem Bett muss es sich gefallen lassen, dass mindestens zwei Katzen ihren angestammten Platz auch weiterhin am Fußende beanspruchen.

Nun bin ich kürzlich, eher aus Versehen, von dieser, meiner ehernen Regel abgewichen und habe prompt Schiffbruch erlitten. Ich habe mich in einen Mann verliebt, der nicht so tierlieb ist wie ich. Frei nach dem Motto „du hast keine Chance – nutze sie“, haben wir es dennoch versucht und sind nach neun Monaten endgültig gescheitert.

Die nächste Frau, in die er sich verliebt, sollte möglichst außer Hausstaubmilben und gelegentlich auftretenden Grippeviren in ihrer Wohnung keinem Mehrpfötler Obdach gewähren (vielleicht einem Goldfisch – aber selbst der...). Besser nicht.

Und ich halte nun Ausschau nach einem großen Mann mit noch größerem Herzen für Tiere, speziell Chow Chows und Katzen und für mich. Es macht auch überhaupt nichts, wenn er selbst einen kleinen Privatzoo unterhält – einzige Ausnahme: Achtfüßler, sprich Spinnen. Die herkömmlich in Deutschland auftretenden Exemplare verweise ich mit Hilfe eines Glases und einer Postkarte meiner Wohnung. Doch bei größeren, exotischen Exemplaren, die hier im Terrarium gehalten werden – also da hört meine Tierliebe auf. Selbst Tierliebhaber haben Vorlieben und (leider) auch Abneigungen.


© Antje de la Porte

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