Da ich für zwei Tage auf einer Fortbildung war, hat mein liebes älteres Ehepaar Agnes und Günther bei mir eingehütet, damit all meine Tierchen und meine Mama gut versorgt sind.
Als ich zurückkam, spielten mir Agnes und Günther "die Verzweifelten" vor und meinten, dass sie so bald nicht wieder einhüten würden, da ihnen der Kater und auch Nuschko einen Riesenschreck eingejagd hätten.
Was war passiert?
In aller Herrgottsfrüh schreckten Agnes und Günther im Bett durch lautes Geschepper hoch und vermuteten schon Einbrecher in der Küche. Dann sagten sie sich aber, dass in dem Fall die Hunde angeschlagen hätten. Agnes, die mutigere von beiden (vielleicht auch nur die wachere) schlich in der Dämmerung in die Küche und sah die Bescherung. Kater Nicki hatte die Palstikdose, in der sein Trockenfutter aufbewahrt wird, von der Küchenarbeitsplatte hinunter auf den Boden geschupst, wo sie eben so aufgegangen war wie seine Rechnung. Das Trockenfutter war in der gesamten Küche verstreut und Nicki teilte es sich jetzt freundschaftlich mit allen Hunden. Es blieb für Agnes nur noch ein mickriger Rest, den sie wieder in die Dose sammeln konnte.
Danach konnten alle noch ein Stündchen weiterschlafen.
Später am Vormittag hat Nuschko es geschafft, sich an Agnes vorbei durch die Gartenpforte zu drängeln. Von dort flitzte er pfeilschnell die Auffaahrt hinunter und düste dann auf dem Bürgersteig in Richtung Dorfmitte. Agnes und Günther nahmen zuerst zu Fuß die Verfolgung auf, hatten jedoch keine Chance. Nuschko ließ sie immer gerade so weit herankommen, bis sie glaubten, eine Chance zu haben, dann flitzte er wieder schneller voraus. Günther lief zurück und nahm kurz darauf die Verfolgung von Ehefrau und Hund mit dem Auto auf. Ungefähr in der Mitte des Dorfes, war es Agnes gelungen, Nuschko unter Zuhilfenahme von Leckerchen zu einer Vesperpause zu überreden. Dort hielt sie ihn, der ja kein Halsband trug, am Nackenfell fest und war schier verzweifelt, wie sie mir später erzählte, weil Günther so lange brauchte, bis er endlich mit dem Wagen bei ihnen ankam. Nun mussten sie beide noch, den sich halb sträubenden Hund ins Auto heben. Nuschko machte sich schwer und half kein bißchen mit. Schließlich machte er es sich jedoch stolz auf der Rückbank bequem und ließ sich von den beiden völlig erschöpften Homesittern nach Hause chauffieren wie Graf Koks.
Danach waren alle "fertig mit Jack un Büx", wie wir Norddeutschen sagen.
Die gleiche Nummer hat Nuschko vor ein paar Tagen auch bei mir versucht. Nur war ich etwas schneller und hatte ihn bereits am Ende der Auffahrt am Kragen zu fassen bekommen und zurückgezerrt.
Er ist jetzt neun Monate und ein Halbstarker, der austestet, was er sich erlauben kann und was nicht. Der wilde Sack...
Aber Agnes und Günther meinten dann beruhigend zu mir, er müsse ihnen doch noch mehr bieten, bevor sie wirklich aufgeben würden und nicht mehr kämen, um den Zoo zu hüten.